Klausurenkurse – Das notwendige Übel

IMG_0138Jeder (angehende) Jurist weiß spätestens ab dem Beginn seiner Vorbereitung auf das erste Staatsexamen, dass man noch so viel wissen kann, es nützt alles nichts, wenn man es nicht hinbekommt, sein Wissen in fünf Stunden fallbezogen zu präsentieren.
Einzige Lösung stellt hierbei das scheinbar unendliche Schreiben von Probeklausuren dar, um im Ernstfall ein halbwegs brauchbares Stück Arbeit vorlegen zu können.
Im Referendariat sollte man also so früh wie möglich mit dem Schreiben von Übungsklausuren anfangen, da man die unterschiedlichen Anforderungen, welche die unterschiedlichen möglichen Sichtweisen in einer Klausur mit sich bringen, anders nicht ordentlich einüben kann, um im Ernstfall so wenig wie möglich Zeit mit ihren Formalien zu verbraten.

Die zwei bis drei Pflichtklausuren pro Station, die man schreiben soll, reichen hier leider bei Weitem nicht aus.

Doch soviel zur Theorie, in der Praxis hat man durch die Arbeitsgemeinschaft, die Stationsarbeit und vielleicht noch dem Nebenjob dermaßen wenig unverplante Zeit, dass das Schreiben von Übungsklausuren oft schlicht auf der Strecke bleibt. Teilweise bleibt hierzu je nach Arbeitsauslastung nicht mal am Wochenende Zeit dafür. Trotzdem sollte man besser spät als nie irgendwann anfangen.

Doch genau wie zur Vorbereitung auf das erste Staatsexamen gibt es für das zweite auch mehrere Möglichkeiten, an Übungsklausuren zu kommen, die im Optimalfall auch individuell korrigiert und bewertet werden. Hier gibt es nicht nur die bekannten kommerziellen Anbieter, die neben ihren Repetitorien auch ergänzend Klausurenkurse anbieten, sondern auch die ein oder andere Möglichkeit an Klausuren samt Lösungsskizzen zu kommen. Im Gegensatz zum ersten Staatsexamen, für das es eine schier unübersichtliche Menge an kostenlos einsehbaren Klausuren mit Lösung gab, hält sich das Angebot für das Zweite nämlich in sehr engen Grenzen. Auch einen kostenlosen Klausurenkurs wie es beispielsweise im UniRep der FU-Berlin der Fall war, gibt es zur Vorbereitung auf das zweite Staatsexamen leider nicht, trotzdem sollte man ein wenig des zugegebenermaßen nicht gerade üppigen Referendargehalts in Klausurenkurse mit eben individuellen Korrekturen investieren.

Die Anbieter

Zur Auswahl stehen hierfür mannigfaltige Möglichkeiten, als da wären als kleine Auswahl (und lediglich beispielhaft) zu nennen:

  • Kaiser/Kaiser/Kaiser – Hierbei kann man sich verschiedene Klausurenpakete aussuchen. Eines kostet 100 Euro und beinhaltet fünf Klausuren inklusive Korrektur. Der liegt relativ klar auf der Hand: Man bindet sich nicht über Monate an einen Anbieter und ist keinem Zeitplan unterworfen. Andererseits muss man die 100 Euro auf einen Schlag bezahlen, damit man die Klausuren zugeschickt bekommt. Neben den „vorgefertigten“ Klausurpaketen kann man sich aus dem gesamten Angebot auch einzelne Exemplare rauspicken (mindestens fünf pro Bestellung) und sich so Klausuren aussuchen, die vor allem die eigenen Schwachpunkte zum Thema haben.
  • Deutsche Anwaltakademie – Im Gegensatz zu den Anbietern von Klausurenpaketen bindet man sich hier für 39 Euro pro Monat an den DAA. Mindestlaufzeit des Vertrages beträgt erträgliche zwei Monate und ist danach monatlich kündbar. Bei dem relativ neuen Angebot des Deutschen Anwaltvereins bekommt man zwei Klausuren pro Monat zugeschickt, die bis zu einem bestimmten Datum (nach Adam Riese zwei Wochen später) geschrieben entweder per Briefpost oder per Mail als PDF an den DAA geschickt werden müssen. Eine Korrektur der Klausur bekommt man dann ebenfalls einige Zeit später zugeschickt. Nett dabei ist, dass am Stichtag, wo die Klausur eingegangen sein muss, eine Onlinebesprechung abgehalten wird, an der man teilnehmen und per Mikrofon Fragen hinsichtlich der Klausur stellen kann. Sollte man zu genau dieser Zeit keine Zeit haben, so kann man sich die Onlinebesprechung aber immerhin noch die nächsten zwei Wochen (bis zur nächsten) online anschauen. Nettes Schmankerl neben bei ist die Tatsache, dass man als Kunde sechs Monate Zugang zu Juris gestellt bekommt.
  • Alpmann-Schmidt – Bei Alpmann-Schmidt bekommt man für 37 Euro pro Monat ca. vier bis fünf Klausuren zugeschickt, bzw. kann sich die Klausuren beim drei Euro billigeren Onlinekurs (dann 34 Euro) als PDF runterladen. Nach Bearbeitung schickt man seine geistigen Ergüsse aber trotzdem klassisch per Briefpost an die Firma. Den Klausurenkurs gibt es sowohl mit, als auch ohne Korrektur, der dann mit 26, bzw. 23 Euro als Onlinevariante zu Buche schlägt.
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Foto: Jixar

Abseits von Angeboten kommerzieller Anbieter hat aber auch das Berliner Kammergericht einen eigenen Klausurenkurs. Der richtet sich laut Webseite zwar nur an Referendare aus Berlin und Brandenburg, für alle anderen sind die als PDF bereitgestellten Klausuren samt Musterlösungen aber vielleicht ein netter Fundus zu Übungszwecken. Interessant für Referendare aus Berlin und Brandenburg ist hierbei vor allem der verhältnismäßig günstige Preis einer Korrektur in Höhe von zehn Euro. Diese sind in bar bei Abgabe der Klausur im GJPA in der Salzburger Straße zu entrichten. An die Korrektur kommt man dann entweder, indem man sie, sobald sie dort im Büro eingetroffen ist, persönlich abholt, oder sich zuschicken lässt, indem man bei der Abgabe der Lösung einen frankierten Rückumschlag beilegt. Wann die Korrektur einer Klausur im Büro des Personalrats der Referendare eingegangen ist, wird praktischerweise auf deren Webseite kundgetan.Von Vorteil ist hier natürlich ebenfalls, dass man keinerlei Verpflichtungen eingeht.

Welche Klausurenkurse sollte man nehmen?

Wie gut die einzelnen Klausurenkurse wirklich sind kann ich selbst nur für einige wenige Angebote beurteilen, da ich mich aus zeitlichen und natürlich auch aus finanziellen Gründen auf den Klausurenkurs des Kammergerichts (zwei Klausuren/Monat), der Deutschen Anwaltakademie (zwei Klausuren/Monat) und den Onlineklausurenkurs von Alpmann-Schmidt (4-5 Klausuren/Monat) beschränke (nein, ich bekomme für das Verlinken keine Provision).
Die Klausuren des Kammergerichts und deren Korrektur spiegeln meines Erachtens schon recht gut das wider, was einem im Ernstfall erwarten kann.
Zu den beiden Letztgenannten kann ich derzeit noch nicht viel sagen, da ich mit diesen gerade erst anfange. Ja, viel zu spät, aber besser spät als nie. Ich habe nie behauptet irgendwie vorbildlich zu sein. Ein entsprechender Erfahrungsbericht wird jedenfalls an späterer Stelle folgen. Laut Kollegen sind die Klausuren von Alpmann-Schmidt als Übung keinesfalls schlecht, jedoch entsprechen sie nicht immer dem Umfang, der im zweiten Examen zu erwarten ist oder behandeln nur einzelne Probleme, an denen man mit ein bisschen Pech leicht „vorbeischreiben“ kann.
Hinsichtlich des Übungseffektes macht man insgesamt aber sicherlich mit keinem der Angebote etwas falsch.

Wer noch Erfahrungen mit anderen Anbietern hat, darf diese natürlich gerne in den Kommentaren teilen.

By | 2016-12-08T21:50:49+00:00 März 21st, 2013|Allgemein, Blog|0 Comments

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